Auszug aus der Geschichte der Bäckerei Finkbeiner

Einen interessanten Eintrag haben wir diesen Sonntag im Buch von Werner Strübin-Bentz gefunden. Er hat 1977 im Selbstverlag das Buch „Vom Liestaler Bäcker-, Zuckerbäcker- und Müllerhandwerk“ herausgegeben. Druck und Clichés hat die Druckerei Lüdin AG, Liestal ausgeführt. Dem Eintrag zufolge wird an dieser Adresse seit 267 Jahren Brot gebacken!

Aufgeführt ist auch unsere Bäckerei:

Nr.2. Bäckerei Finkbeiner. Parz. 1320, Rathausstrasse 20 (mit Nr. 18 zusammengelegt).
Inhaber: Hans Finkbeiner-Weinmann; Paul Finkbeiner-Saladin.

Es ist die älteste Bäckerei Liestals.
Jakob Strübin-Brüderlin, 1753-1826, Beck, der «Hubemacher-Joceb» (siehe Seite 68). ist der ersterwähnte Liegenschaftsbesitzer. Genealogisch richtig hätte er der «Güldibeck» genannt werden müssen.
1827 wird Samuel Seiler, Beck und «des Gerichts», Hausbesitzer. Aber schon
1829/30 nennt das Brandlagerbuch als neue Eigentümerin Heinrich Mörgelin Fabrikaufsehers Witwe. 1852 geht sie fallit (Anmerkung: Konkurs). Ihr Sohn Hans Mörgelin ist der Nachfolger. Wiederum sechs Jahre später, 1858, findet ein Wechsel auf den Namen der Tochter, Jungfrau Louise Mörgelin, statt. Das Bäckerhaus figuriert immer noch in der üblichen Bäckerbrandgefahrenklasse. Ob die Mörgelin selber den Beruf ausgeübt oder ob das Geschäft verpachtet war, ist nicht mehr zu erfahren. 1859 kauft Amadeus Gysin-Weiland, 1830 – 1912, Beck, die Güter. Der rührige, volkstümliche Amadé wirkte hier fast ein halbes Jahrhundert lang. Nach dem Tode seiner Gattin, vermutlich um 1900, war für kurze Zeit Reinhard Schweizer-Wochner, Pächter. Er verstarb plötzlich 32jährig. Amadé verkaufte daraufhin sein Geschäft an Gottlieb Gogel-Bächlin. Dieser, aus dem Württembergischen kommend, hatte vorher in Basel ein Mietgeschäft betrieben und dort seinen Landsmann Johann Finkbeiner-Meier, 1883 – 1953, Beck, kennengelernt. Er übergab ihm 1910 Liegenschaft und Betrieb käuflich. Gogel installierte darauf im «Alten Brunnen» ein Teigwarenfabriklein und zog später wieder nach Basel.

Johann oder Hannes Finkbeiner erzählte einmal am Wirtstisch, er sei mit 50 Rappen in der Tasche nach Liestal gekommen, worauf ihm von Neidern prompt «Fünfbätzler» angehängt wurde. 1917 wurde er Liestaler Bürger. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine umfassende Modernisierung und Ausdehnung des Betriebes, indem die Liegenschaft nebenan dazugekauft wurde. Als geselliger, humorvoller Kollege zählte er zu den Gründern des Bäckermeister-Kegelclubs Liestal von 1929. Der Club floriert heute noch.
1946 ist der älteste Sohn, Hans Finkbeiner-Hartmann, 1910-1967, der
«Mäh», hier Meister.
Sein Bruder «Mutz» eröffnet eine Bäckerei in Breitenbach. 1967, nach dem frühen Tod von Hans, übernimmt Witwe Hermine Finkbeiner-Hartmann als Geschäftsführerin und Hausmeisterin die Verantwortung. Sie sieht ihren Betrieb kinderreiche Familie gedeihen. Drei Söhne treten in die Fussstapfen von Grossvater und Vater.
Ein gewaltiger Umbau liess die Bäckerei 1973 nochmals grösser und schöner werden.
1976 ist die dritte Generation voll verantwortlich angetreten: Als diplomierter Meister und Chef wirkt nun Hans Finkbeiner-Weinmann geb. 1939, assistiert von zwei oder drei seiner Jüngern Brüder, Ernst, Paul und Urs.